¦ GESAMTINHALTSVERZEICHNIS MIT ZUSAMMENFASSUNGEN [aller bisher erschienenen Hefte]
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Vol.6 No.1 |
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Volume 4, Number 1 (Spring 1996)
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David Guttmann |
Research in the Service of Logotherapy [Forschung im Dienste der Logotherapie]
Christa Hildegard do Valle Freitas |
Ein Versuch, die Symptome der 'Kollektiven Neurosen' nach Viktor Frankl testpsychologisch zu erfassen [Experimental Investigation of the `Collective Neurosis´ Symptomatology]
Bernhard Freiherr von Loeffelholz |
Wert oder Tauschwert - kann der Markt alles leisten? [Value or Exchange Value - Can the Market do Everything?]
Helmut Frank |
Mit Methoden der Logotherapie gegen die Infantilisierung von Schule und Gesellschaft [Counteracting Infantilism in School and Society]
Joze Ramovš |
Logotheoretische Grundlagen der Anthropohygiene [Logotheoretic Elements of Anthropohygiene]
Moazziz Ali Beg and Sangeeta Beg |
Logotherapy and the Vedantic View of Life and Mental Well-Being [Logotherapie und die vedische Sicht des Lebens und des geistigen Wohlbefindens]
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RESEARCH IN THE SERVICE OF LOGOTHERAPY
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David Guttmann
Abstract
In the first issue of the International Forum for Logotherapy, published in 1978-79, Frankl expressed his hope that this new journal would publish articles that are be based on experimental and empirical validation of his intuitive concepts. He said:
". . . logotherapy is concerned with the search for meaning not only as a matter of health, and in no way as a matter of morality, but rather as one of the most intrinsic human phenomena. You cannot turn the wheel back and you won't get a hearing unless you try to satisfy the preferences of present-time Western thinking, which means the scientific orientation or, to put it in more concrete terms, our test and statistics mindedness . . . that's why I welcome all sober and solid empirical research in logotherapy, however dry its outcome may sound." (Fabry, 1978-79, pp. 5-6).
When this statement was made, logotherapeutic research had already reached a state in which some of its major concepts and methods, such as "existential vacuum" and "paradoxical intention", gained validation in research using sophisticated statistical procedures. Nevertheless, the need for further testing and refinement of research techniques and tools to assess the therapeutic value of logotherapeutic intervention is evident.
That research can provide much more than what is needed for day-to-day practice is evident to both on-line workers, supervisors and administrators. New concepts in human behavior; new perspectives on individual and social change; new methods of assessment and intervention; new hypotheses, and new directions in working with clients, in teaching students, in supervision, and in science at large are the by-products of solid research.
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Zusammenfassung
In der ersten Ausgabe des International Forum for Logotherapy, im Jahr 1978, äußerte Frankl seine Hoffnung, daß dieses neue Journal Artikel veröffentlichen würde, die sich mit der experimentellen und empirischen Validierung seiner intuitiven Konzepte beschäftigen. Er sagte damals:
"...Die Logotherapie befaßt sich mit der Suche nach Sinn nicht nur als einem Faktor der Gesundheit, und überhaupt nicht im Zusammenhang mit
Moral, sondern als einem der wesentlichsten menschlichen Phänomene. Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, und man wird nicht gehört werden, wenn man nicht versucht, auf die Vorlieben der modernen westlichen Denkweise einzugehen - das heißt auf die Wissenschaftsorientierung oder, um es konkreter zu sagen, auf unseren Glauben an Tests und Statistiken... deshalb begrüße ich alle nüchternen und soliden empirischen Untersuchungen in der Logotherapie, wie trocken auch immer ihre Ergebnisse klingen mögen." (Fabry 1978-79, pp. 5-6).
Als diese Aussage formuliert wurde, hatte die logotherapeutische Forschung bereits einen Status erreicht, in dem einige ihrer wichtigsten Konzepte und Methoden, wie beispielsweise das "Existentielle Vakuum" und die "Paradoxe Intention", durch trennscharfe statistische Verfahren validiert worden waren. Trotzdem ist es nach wie vor notwendig, jene Untersuchungsmethoden immer weiter zu verbessern, mit denen der therapeutische Wert der logotherapeutischen Intervention belegt werden soll.
Daß solche Forschung wesentlich mehr beitragen kann, als für die tägliche Praxis notwendig ist, wird sowohl von Therapeuten und Beratern
als auch von Supervisoren und Administratoren anerkannt. Neue Konzepte bezüglich des menschlichen Verhaltens, neue Perspektiven der persönlichen und der gesellschaftlichen Veränderung, neue Methoden der Untersuchung und der Intervention, neue Hypothesen sowie Neuorientierungen in der Arbeit mit Klienten, bei der Ausbildung von Therapeuten, in der Supervision und letzlich in der Wissenschaft generell - all dies sind wertvolle Nebenprodukte einer gründlichen Forschungstätigkeit.
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EIN VERSUCH, DIE SYMPTOME DER KOLLEKTIVEN NEUROSEN NACH VIKTOR FRANKL TESTPSYCHOLOGISCH ZU ERFASSEN
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Christa Hildegard do Valle Freitas
Zusammenfassung
Eine empirische Untersuchung der kollektiv-neurotischen Symptomatologie nach Viktor E. Frankl wird vorgestellt. Der verwendete Fragebogen enthält zusätzlich zu den zuerst von Frankl formulierten noch weitere Fragen; die Ausarbeitung dieser neuen Fragen erfolgte auf Grund der Beobachtung jener Verhaltenstandards, welche gemäß verschiedenen anderen Autoren die kollektiv-neurotischen Symptome charakterisieren.
Die Ergebnisse bestätigen die folgenden Hypothesen:
- Anwesenheit dieser Symptome bei der befragten Bevölkerungsgruppe
- weniger als 5% der Befragten sind frei von Symptomen
- mehr als 50% der Befragten weisen zwei oder mehr Symptome auf
die Variablen Geschlecht, Alter und Bildungsstand beeinflussen die bei den Befragten nachgewiesene Anzahl der Symptome.
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Abstract
This is a study of the collective neurotical symptoms according to Viktor E. Frankl through an empirical research using a questionnaire. In addition to the issues originally formulated by Frankl, additional questions were added probing those behaviour patterns which, as observed by several autors, are characteristic of the collective neurotical symptoms.
The survey of the data obtained confirmed the following hypotheses:
- the symptoms are present in the population tested
- less than 5% of the population tested is free of symptoms
- over 50% of the population tested show two or more symptoms
the variables sex, age and schooling influence the amount of the symptoms.
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WERT ODER TAUSCHWERT - KANN DER MARKT ALLES LEISTEN?
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Bernhard Freiherr von Loeffelholz
Zusammenfassung
Der Markt hat sich als ein außerordentlich effizientes und dynamisches System zur Produktion und Verteilung von Gütern und
Dienstleistungen und zur Mehrung des Wohlstands auf breiter Ebene erwiesen. Im Bereich der Wirtschaft ist er das Korrelat zur Demokratie.
Die Wirtschaft ist jedoch kein Selbstzweck, sondern wie alles menschliche Handeln letztlich ein Mittel, um einen "Sinn zu erfüllen",
um "Werte zu verwirklichen" (Viktor Frankl). Der Markt kann Preise, Tauschwerte, aber keine ethischen Werte ermitteln - wie auch die
Wissenschaft nur das bedingte Sein, nicht aber den bewirkenden Sinn feststellen kann. Der Ort für Sinnfragen ist die Kultur. Sie ist der
Nährboden, auf dem gesellschaftliche, politische und auch wirtschaftliche Systeme wachsen und gedeihen. Kultur ist sinnstiftend für alle
Lebensbereiche. Eher im Prozeß als im Ergebnis entfaltet sie ihre Wirkung. Sie kann und darf sich deshalb nicht den ´Gesetzen´ des Marktes unterwerfen, sondern sollte sie mitgestalten. Zur Erhaltung der Kultur als Quelle der drei Wertkategorien nach Viktor Frankl (schöpferische Werte, Erlebniswerte und Einstellungswerte) für Individuum und Gemeinschaft und auch als Kreativitätspotential für die Wirtschaft bedarf es zunehmenden privaten Engagements in Stiftungen und anderen nicht kommerziellen Einrichtungen, die aber durchaus unternehmerisch betrieben werden sollten.
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Abstract
The market has proved itself an extremely efficient and dynamic system for the production and distribution of goods and services and for
increasing prosperity on a broad basis. In the economic sector, the market is correlative to democracy. However, the economy is not an end
unto itself but, like all human acts, media of "fulfilling a meaning", of "realising values" (Viktor Frankl). The market can determine
prices, values in exchange, but not ethical values - just as the sciences can determine only conditional existence, but not basic idea.
The place for questions dealing with meaning is culture. Culture is the ground on which social, political and economic systems grow and
flourish. Culture gives meaning to all spheres of life, whereby its effect is unfolded in the process rather than in the result.
For this reason it cannot and must not submit to the "laws" of the market, but instead should help to shape them. We must preserve culture as the fount of Viktor Frankl´s three categories of values - creative values, experiential and attitudinal values - for the individual and for the community, and as creative potential for the economy. To this end, more and more private commitment is needed in foundations and other non-profit organisations, headed by professional management.
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MIT METHODEN DER LOGOTHERAPIE GEGEN DIE INFANTILISIERUNG VON SCHULE UND GESELLSCHAFT
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Helmut Frank
Zusammenfassung
Dem Prinzip Verantwortung fällt in der Erziehung gerade heute eine herausragende Bedeutung zu. Seine Realisierung gestaltet sich jedoch in unserer satten, orientierungsarmen Gesellschaft, die mit großen Schritten auf dem Weg der Selbstverwirklichung des Einzelnen voranschreitet, schwieriger denn je.
Die Logotherapie hat daraus wichtige Erkenntnisse gewonnen und Methoden entwickelt, die ein Umdenken möglich machen. Die Pädagogik kann davon entscheidend profitieren. Ihr fallen in diesem Umdenkungsprozeß jedoch Aufgaben zu, die meist den heftigen Widerstand der Betroffenen herausfordern. Wenn Lehrerinnen und Lehrer glaubwürdig bleiben wollen, müssen sie ihre Zöglinge - oft auch deren Eltern - damit konfrontieren, daß ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft Kompromisse erfordert, die eigene Reviere einschränken.
Diese Erkenntnis im Gewissen junger Menschen zu verankern, ist Aufgabe jeden pädagogischen Handelns. Nichts reift dabei von selbst,
und niemandem fällt der Erfolg ohne eigenes Zutun in den Schoß. Ohne den Abschied vom Paradies der frühen Kindertage, ohne die Stärkung von Eigenverantwortung, die Entwicklung von Willenskräften und die Entfaltung innerer Antriebe gelingt kein sinnvolles Leben. Junge Menschen müssen hellhörig gemacht werden für die tausendfachen Hilferufe von draußen. Sich davon angesprochen und dafür verantwortlich zu fühlen, entspricht einem zentralen logotherapeutischen Grundsatz und fördert die Selbstvergessenheit.
Solange Kinder alles dürfen und alles haben, was sie sich wünschen, solange sie selbst bedient werden, ohne selbst zu dienen, erlischt jeder innere Antrieb in ihnen, sich um Belange zu kümmern, die über die eigene Person hinausweisen.
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Abstract
Responsibility as a principle in education is - particularly these days - of outstanding importance. Realizing this responsibility, however, is more difficult than ever in a saturated society lacking orientation and progressing fast towards the self-realization of the individual.
Logotherapy, realizing this fact, has developed techniques that make a new starting point possible which can give a decisive advantage to educational science, which, in this context, has to deal with tasks provoking more often than not the ardent opposition of the people involved. If teachers want to remain credible, they will have to confront their pupils - and often their pupils' parents as well - with the idea that living together demands compromises that necessarily reduce their own spheres of activity.
It is the task of any educational activity to embed this realization in young people's consciousness. Nothing ripens on its own, and nobody is successful without being personally active. Without the farewell from childhood paradise, without the strengthening of self-responsibility, without the development of will-power and drive no sensible life will be possible. Young people must be made sensitive to the manifold cries for help coming from the outside world. To feel oneself called upon by and responsible for them corresponds with a central logotherapeutic principle and encourages self-transcendence.
As long as children are allowed to do and to obtain all they want, as long as they are served without themselves serving others, any drive to take care of interests beyond their own personality will be extinct.
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LOGOTHEORETISCHE GRUNDLAGEN DER ANTHROPOHYGIENE
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Joze Ramovš
Zusammenfassung
Der Artikel handelt vom Bedürfnis des heutigen Menschen nach präventiver Stärkung der körperlichen, seelischen und geistigen Gesundheit und
Pflege guter zwischenmenschlicher Beziehungen. Diese Ziele verfolgen nachdrücklich unter anderem auch alle großen Projekte der
Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Autor stellt aufgrund eigener Erfahrungen und Forschungen fest, daß die kurative Methodologie
für die präventive Tätigkeit normalerweise nicht anwendbar ist. Im mittleren Teil des Artikels zeigt und definiert er die ganzheitliche
Prävention - die Anthropohygiene; deren Konzept und Methode entwickelt er mit seinen Mitarbeitern schon eine Reihe von Jahren. Die Anthropohygiene lehnt sich theoretisch an die logotheoretischen Erkenntnisse Viktor E. Frankls an, so daß wir sie als einen präventiven Zweig der Logotherapie bezeichnen können. Der Schwerpunkt des Artikels liegt in der Darstellung logotherapeutischer Erkenntnisse, an die sich besonders die Anthropohygiene anlehnt, und das sind insbesondere:
das ganzheitliche Bild des Menschen, die persönlichen geistigen Fähigkeiten des Menschen, das Axiom der Sinnhaftigkeit des Lebens zusammen mit der gesamten Realität und der daraus resultierenden Gesetzlichkeit der Dynamik zwischen dem unbewußten und bewußten Erleben und Verhalten des Menschen.
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Abstract
The article analyses the contemporary need for a preventive strengthening of man's physical, mental and spiritual health and for a
cultivation of good interpersonal relationships. That is also aimed for by all major projects of the WHO. The author states on the
basis of own experiences and research activities that a curative methodology is usually not appropriate for the preventive work.
In the middle part of the article he defines and demonstrates the concept of integral prevention - of anthropohygiene; this concept and
the respective methods have been developed for a number of years already. Anthropohygiene theoretically follows the logotheoretic insight of
Viktor E. Frankl, so that it can be regarded as the preventive branch of logotherapy. The main emphasis of the article is on the presentation of those logotheoretical findings that are most relevant for anthropohygiene. These are in particular: an integral image of man, his personal spiritual capacities, the axiom of meaningful life and integral reality as well as, resulting from these, the laws of the dynamics between the unconscious and conscious experience and behaviour of man.
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LOGOTHERAPY AND THE VEDANTIC VIEW OF LIFE AND MENTAL WELL-BEING
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Moazziz Ali Beg and Sangeeta Beg
Abstract
Logotherapy represents the Third Viennese School of Psychotherapy, and it has come to be regarded as Viktor Frankl's own version of existential analysis. In its deepest meaning, however, logotherapy is an attitude toward life, its ordeals and suffering, and it is the only psychotherapy capable of sustaining the human potential under the most adverse conditions of life and building up resistance against them.
A prolonged confrontation with death, and suffering, and with most horrific experiences of a systematic dehumanization of prisoners in the Nazi concentration camps encountered by Frankl developed into an attitude toward life that is actually based upon an understanding of its hidden possibilities. This attitude enters into the theory and practice of logotherapy. No other system of psychotherapy has such background on the part of its innovator, and no other psychotherapy attends to the real agony of human suffering, or reaches into its reason.
With the aforesaid understanding of logotherapy on our part, we believe that some ravaging condition of life now developing under the sway of sensate-nihilism in many countries of the east, including India, call for what we have termed as "logotherapeutic intervention" which may be taken up under a programme by the concerned agencies. Hence we consider it expedient to bring up logotherapy in a cross-cultural perspective with the Vedanta -- an Indian system of thought that originated in the Vedas, and has shaped and reshaped the value-attitude-meaning orientations of its adherents through the ages.
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Zusammenfassung
Logotherapy, die "Dritte Wiener Richtung der Psychotherapie", stellt Viktor Frankls eigene Version der Existentiellen Analyse dar. In ihrer tiefsten Bedeutung aber definiert die Logotherapie eine Einstellung zum Leben, zu seinen Prüfungen und Leiden, und sie ist die einzige Psychotherapie, die es ermöglicht, eine humane Existenz selbst unter den widrigsten Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Unter dem Eindruck einer engen Konfrontation mit Tod und Leid und nach den schrecklichsten Erfahrungen einer systematischen
Dehumanisierung in den Konzentrationslagern entwickelte Frankl eine Einstellung zur menschlichen Existenz, die eigentlich auf dem Verständnis ihrer verborgenen Möglichkeiten beruht. Diese Einstellung geht in Theorie und Praxis der Logotherapie ein. Kein anderes System der Psychotherapie weist einen ähnlichen Hintergrund in der Person ihres Begründers auf, und keine andere Psychotherapie nimmt sich der tiefsten Qualen menschlichen Leidens an oder dringt zu ihren wahren Ursachen vor.
Auf Grund dieses Verständnisses der Logotherapie sind wir davon überzeugt, daß verschiedene verderbliche Erscheinungen,
die sich derzeit unter dem Einfluß eines "sensate nihilism" in vielen Ländern des Ostens - so auch in Indien - entwickeln, eine Art von logotherapeutischer Intervention verlangen, die von den öffentlichen Stellen installiert werden sollte. Aus diesem Grund halten wir es für angebracht, die Logotherapie im Rahmen einer interkulturellen Diskussion mit der Vedanta zu vergleichen - einem indischen Denksystem, das in den Veden seine Grundlage hat, und das seit urdenklichen Zeiten die Wert- und Sinnorientierung seiner Anhänger geprägt und geformt hat.
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