The international Journal of
  Logotherapy and Existential Analysis
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Volume 4, Number 2 (Fall 1996)

Elisabeth Lukas | "Blick zurück im Zorn"? Der Rückschaufehler und seine Bedeutung für die Psychotherapie [Look back in Anger"? Biased Judgement of Past Events and Its Consequences for Psychotherapy]

Gustavo A. Berti and Alicia Schneider-Berti | Mutual Help and Logotherapy: From Despair to Logos [Selbsthilfegruppen und Logotherapie]

Boglarka Hadinger | Angst vor den anderen, Angst vor sich selbst: schüchtern ein Leben lang? [Fear of Others, Fear of Oneself: Forever Shy?]

David D. Guttmann | The Meaning of the Moment and Existential Guilt [Sinn des Augenblicks und existentialle Schuld]

Malgorzata Opoczynska | Argumente für die existentielle Haltung in der Psychotherapie [The Case for the Existential Approach to Psychotherapy]

Karl Dienelt | Kein Ende der Erziehung: Argumente zu Neil Postmans Buch [No End of Education - Discussion of Neil Postman's Arguments]

Sonja Weyrich | Paradoxe Intention als Therapie für Sprachstörungen bei Kindern [Paradoxical Intention as Therapy for Speech Impairment in Children]
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"BLICK ZURÜCK IM ZORN"? - DER RÜCKSCHAUFEHLER UND SEINE BEDEUTUNG FÜR DIE PSYCHOTHERAPIE
Elisabeth Lukas

Zusammenfassung
In der empirischen Psychologieforschung sind kognitive Täuschungen wohlbekannt, darunter das erst in den Neunzigerjahren weitgehend enträtselte Phänomen des "Rückschaufehlers". Seine Bedeutung für die Psychotherapie ist jedoch noch kaum bedacht worden. Es handelt sich dabei um die Tatsache, daß jede neue, wichtige Information zu einem Sachverhalt auf neuronaler Ebene automatisch in die alten Wissensstände über diesen Sachverhalt enkodiert wird, was die alten Wissensstände aktualisiert - allerdings zu Lasten einer präzisen Erinnerung an jene alten Wissensstände.

Für die Psychotherapie folgt daraus, daß zum Beispiel rückwärtsgewandte Traumabearbeitungen notgedrungen die Tragik des Erlebten, das sie selektiv ins Bewußtsein heben, als neue Zusatzinformation in die Lebenserinnerungen enkodieren, was das Erlebte - und in einem damit das bisherige Leben - ins noch Tragischere verzerrt erscheinen läßt. Demgegenüber erweist sich der Franklsche Therapieansatz als genial, da sämtliche durch ihn bewirkte Gedächtnisaktualisierungen bei Patienten eher in umgekehrter Weise pathologisch verzerrte Lebensbetrachtungen in Richtung sinngeleiteter und hoffnungsträchtiger Neueinschätzungen korrigieren.

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Abstract
Among the many forms of cognitive deception known to empirical psychology there is one that has been understood only in recent years. It is the phenomenon known as the "knew-it-all-along-effect", or "biased judgements of past events after the outcomes are known"; in German it is called "Rueckschau-Fehler". The consequences of this kind of deception for psychotherapy have not been considered so far.

We are dealing with the fact that any new and important information is automatically encoded onto the old engrams, thus superseding the previous knowledge regarding that specific set of facts; the old knowledge is updated in this process - at the expense, however, of a precise recollection of just that obsolete knowledge.

This has important consequences for psychotherapy. In particular, any retrospective treatment of traumatic experiences will necessarily encode the tragic nature of those experiences, which are selectively heaved into consciousness, as new and additional information into the total of life remembrances; those past experiences - and with them the past life itself - is thereby distorted into an entirely tragic panorama. In contrast, the Franklian therapeutic approach proves truly ingenious, in that it serves to correct pathologically distorted remembrances and perspectives towards meaning-oriented and promising new outlooks.
MUTUAL HELP AND LOGOTHERAPY: FROM DESPAIR TO LOGOS
Gustavo A. Berti and Alicia Schneider-Berti

Abstract
Drawing upon our experience with existential mutual help groups for "orphaned parents" that function in Argentina and Uruguay under the name of RENACER, we intend to show that Logotherapy is, not only "the language of the spirit," but that of mutual help too, and as such it is ex-plicated by man as he lives his or her destiny; that each self-help and mutual help group constitutes an unheard cry for meaning, a fact which in itself poses a new challenge to Logotherapy: to accept and be prepared to counsel these groups. In the same tenor we believe that there is something in common to all existential groups, and it is that they all have to deal with suffering, regardless of its cause, and that the main objective of the groups should not be "not to suffer, but not to suffer in a meaningless way" and be oriented, therefore, to the search for meaning in suffering. Under these premises we believe that Logotherapy is the adequate philosophical-anthropological foundation to every group.

We will also show that starting with mutual help experience we can consider Existential Analysis as the ontological answer of Logotherapy to suffering and, after analyzing why suffering can only be transcended, conclude that mutual help is not only the language but the sound of the spirit, as we learn that the applause with one hand is soundless unless our one hand meets with the one hand of another suffering man...

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Zusammenfassung
Auf der Grundlage unserer Erfahrungen mit den Selbsthilfegruppen für "verwaiste Eltern", die in Argentinien und Uruguay unter dem Namen RENACER bestehen, wollen wir zeigen, daß die Logotherapie nicht nur "die Sprache des Geistes", sondern auch die der gegenseitigen Hilfe ist, und daß jede Selbsthilfegruppe auch als ein Aufbruch zur gemeinsamen Sinn-Suche verstanden werden kann. Diese Tatsache stellt eine neue Herausforderung für die Logotherapie dar, die dazu bereit sein muß, sich solcher Gruppen anzunehmen und sie zu beraten. Wir glauben auch, daß allen existentiellen Gruppen etwas gemeinsam ist - nämlich dies, daß sie alle mit Leid zu tun haben, gleichgültig welcher Ursache, und daß das Hauptanliegen dieser Gruppen nicht darin liegen kann, "nicht zu leiden", sondern nur darin, "nicht sinnlos zu leiden"; sie müssen sich also mit der Suche nach einem Sinn im Leiden befassen. Auf Grund dieser Überlegungen sind wir davon überzeugt, daß die Logotherapie die geeignete philosophisch-anthropologische Basis für jede solche Gruppe darstellt.

Ausgehend von den Erfahrungen mit gegenseitiger Hilfe werden wir auch zeigen, daß die Existenzanalyse in gewissem Sinn die ontologische Antwort der Logotherapie auf die Frage des Leidens darstellt; aus dem Befund, daß Leiden nur transzendiert werden kann, werden wir den Schluß ableiten, daß gegenseitige Hilfe nicht nur die Sprache, sondern auch der Klang des Geistes ist, indem wir feststellen, daß der Applaus mit einer Hand stumm ist, wenn unsere Hand nicht in die eines anderen leidenden Menschen einschlägt...
WERTORIENTIERTES SELBSTSICHERHEITSTRAINING FÜR SCHÜCHTERNE JUGENDLICHE UND JUNGE ERWACHSENE
Boglarka Hadinger

Zusammenfassung
Extrem schüchterne Menschen nehmen ein Leben lang den Kampf gegen zwei Angstbereiche auf: Gegen die Angst vor sich selbst und gegen die Angst vor den anderen. Ein differenziert aufgebautes Selbstsicherheitstraining, das mit Hilfe logotherapeutischer Grundsätze und Erkenntnisse erstellt wurde, kann die Betroffenen aus der mehrdimensionalen "Verspannung" herausführen.
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Abstract
Extremely shy persons are constantly besieged by two kinds of anxiousness: the fear of oneself and the fear of others. This state of "multidimensional tension" may be relieved using an assertivity training program which has been developed in accordance with logotherapeutic principles.
THE MEANING OF THE MOMENT AND EXISTENTIAL GUILT
David Guttmann

Abstract
Our topic is the interrelationship between two logotherapeutic concepts coined by Viktor Frankl and further discussed by logotherapists, namely "the meaning of the moment" and existential guilt. This relation is explicated via the classical novel "The Master and Margarita" by Bulgakov (1993) and the philosophical work of Anchel (1995), and illustrated with cases from logotherapeutic practice. Ways of living with, versus overcoming, existential guilt are presented. The need for "giving permission" to the client to express his/her personality and authentic self is stressed for successful therapy.
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Zusammenfassung
Zwei wichtige logotherapeutische Konzepte, die von Viktor Frankl geprägt und von seinen Schülern weiter diskutiert wurden, betreffen den "Sinn des Augenblicks" und die existentielle Schuld. Die Wechselbeziehung zwischen diesen Begriffen wird anhand der klassischen Novelle "Der Meister und Margarita" (1993) von Bulgakov und des philosophischen Werks von Anchel (1995), sowie an Fällen aus der logotherapeutischen Praxis dargelegt. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, um mit solcher Schuld zu leben - im Gegensatz zu Strategien zu ihrer "Überwindung". Es wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, im Interesse einer erfolgreichen Therapie den Klienten die "Erlaubnis" zu erteilen, ihre Persönlichkeit und ihr authentisches Selbst zum Ausdruck zu bringen.
ARGUMENTE FÜR DIE EXISTENTIELLE HALTUNG IN DER PSYCHOTHERAPIE
Malgorzata Opoczynska

Zusammenfassung
In diesem Artikel knüpfe ich an den Gedanken von Rollo May an, ein existentieller Psychologe, ein Existentialist, könne jeder Therapeut werden. Indem ich ihn entwickle, suche ich die Hypothese zu verteidigen, es ist nicht nur möglich, wie May behauptet, sondern auch nützlich, existentieller Therapeut zu werden. Die Begründung suche ich in den, auf Basis der existentiellen Richtung formulierten, Standpunkten zu den grundsätzlichen Fragen der Psychotherapie, wie: der Frage nach den Grenzen, Zielen und Methoden der Psychotherapie.
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Abstract
The starting point of this paper is Rollo May's idea that each therapist can be an existential one. Referring to this opinion and amplifing it I try to justify my view that each therapist not only can be an existential one, as May assumed, but, what is more, it is worth an effort to be an existentialist. In the paper I explain my point of view referring to the main questions of psychotherapy and to the answers giving to them by the existential therapists.
K E I N ENDE DER ERZIEHUNG - EINE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM BUCH VON NEIL POSTMAN "KEINE GÖTTER MEHR. DAS ENDE DER ERZIEHUNG"
Karl Dienelt

Zusammenfassung
Neil Postman setzt in seinem Buch die schon seit einiger Zeit intensiv geführte Debatte über ein höchst aktuelles Thema fort: die Rolle der Erziehung heute. Zuerst ist er bemüht um den Nachweis der "Notwendigkeit von Göttern", wobei das Wort "Erzählung" als Synonym für "Gott" verwendet wird. Er beschreibt hernach alte und neue "Götter, die keine sind" (Ökonomie, Technologie, Pluralismus usw.). Diesen stellt er "Götter, die dienen könnten" gegenüber, und zwar in Form von fünf "Erzählungen", die etwas darüber aussagen, "was es heißt, Mensch zu sein". Dazu wird im zweiten Teil der "Kommentar" geliefert, in dem es um die "Methoden" zur Verwirklichung der in den Erzählungen dargelegten Ideen geht. Durch die Organisierung der Schulbildung um bestimmte Themen herum soll dem Prinzip des Sinnzusammenhangs Rechnung getragen werden. - Postman urteilt von einer anthropologischen Position aus. Er hat annähernd eine Vorstellung von dem, was in der Logotherapie "kollektive Neurose" genannt wird. Sein Ziel ist es, die Schule zur "zentralen Institution" für die Bewältigung der sozialen Probleme Amerikas zu machen. Demgegenüber wird in einer kritischen Stellungnahme, angesichts einer allgemein gesellschaftlichen "Pathologie des Zeitgeistes", ein Beitrag der Erziehungswissenschaft zu einer "kollektiven Psychohygiene" eingefordert.
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Abstract
Neil Postman continues in his book the discussion of a highly topical subject, which has been conducted very intensivly for some time now: the role of education nowadays. For a beginning, he endeavours to prove the "necessity of gods", and in so doing he uses the word "narrative" as a synonym for "god". After that he describes old and new "gods that fail" (economics, technology, pluralism etc.). These he confronts with "gods that may serve", in the guise of five "narratives", which tell us, "what it means to be a man". The second part supplies a commentary to this, by dealing with the methods to be used to implement the ideas presented in the narratives. The organisation of schooling around certain themes is to make allowance for the principle of meaning.

Postman's judgment proceeds from an anthropological position. He has an approximate idea of what is called a "collective neurosis" in logotherapy. It is his aim to make the school the central institution for mastering America's social problems. As against this, a critical attitude demands a contribution of the science of education towards a "collective psychohygiene" in view of a general "pathology of Zeitgeist" in society.
PARADOXE INTENTION ALS THERAPIE FÜR SPRACHSTÖRUNGEN BEI KINDERN
Sonja Weyrich

 

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