.. EHRENPREIS 2002

Dankesrede Kardinal König
 
Herr Bürgermeister der Bundeshauptstadt und Vorstandsvorsitzender des Viktor Frankl-Fonds!

Meine Damen und Herren des Kuratoriums,

verehrte Frau Dr. Eleonore Frankl!

Durch die Zuerkennung und die Überreichung des Ehrenpreises des Viktor Frankl-Fonds zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie haben Sie, Herr Bürgermeister, haben Sie, meine Damen und Herren, mir nicht nur eine seltene Ehrung zuteil werden lassen, sondern mich Ihrer Stiftung noch besonders verpflichtet. Einmal wegen des Einsatzes der Gemeinde Wien im Dienste der Psychologie und sozialen Verantwortung; denn damit nehmen Sie bezug auf die besondere Geschichte und das vielschichtige geistige Klima der Bundeshauptstadt, wo unsere drei Schulen der Psychotherapie entstanden sind und tiefe Spuren, nicht nur im sozialen Gefüge unserer Stadt und unseres Landes hinterlassen haben. Damit haben Sie bei aller Verschiedenheit der Aufgaben und Wege die Tore geöffnet für eine gute Zusammenarbeit einer Pastoralpsychologie in der Seelsorge. Als Kaplan in der Seelsorge durch mehr als 10 Jahre habe ich diese Verbindung kennen und schätzen gelernt.

Ihr Ehrenpreis verbindet mich in besonderer Weise mit Viktor Frankl selber, seitdem ich vor vielen Jahren seine Logotherapie kennen und schätzen gelernt habe. Sehr viel bedeutet mir seine Einladung, nicht nur immer die Frage nach dem Warum zu stellen, sondern ebenso dir Frage nach dem Wozu zu stellen. Denn Viktor Frankl selber überlebte vier verschiedene Konzentrationslager, indem er eine Antwort gefunden hatte auf die herausfordernde Frage nach dem Wozu. Seine Bücher, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, seine Lehrtätigkeit und seine Vorträge, vor allem in den USA, haben viele Menschen zu der Erkenntnis geführt, dass die Antwort auf die Lebensfrage eines Wozu mehr helfen kann, als bei einem unbeantwortbaren Warum zu verweilen. -

Dazu kommt die Frage nach der Aufgabe einer Logotherapie, die sich an der Sinnfrage orientiert; sie geht von der Voraussetzung aus: Der Mensch wird nicht nur durch den Trieb des "Müssens", nicht durch die Macht des "Wollens", sondern durch Sinnfindung und Sinngebung, also durch die Kraft des "Sollens", charakterisiert.

In welcher Weise die Frage nach dem Sinn zur religiösen Frage, zur Gottesfrage, führen kann, zeigt Viktor Frankl in seinem Buch: "Der unbewusste Gott"- Das heißt, die Existenzanalyse des Menschen lasse innerhalb der "unbewussten Geistigkeit des Menschen" auch eine "unbewusste Religiosität" im Menschen erkennen. Damit verbindet sich oft eine latent bleibende Beziehung zum Transzendentalen. - das heißt mit anderen Worten: Die heute oft gestellte Frage nach dem Sinn führt nicht unmittelbar zur Frage nach Gott, wohl aber in dessen Nähe. Und überall dort, wo man die Frage nach dem unsagbaren Geheimnis des Menschen radikal ausklammert, taucht das Gespenst der Sinnlosigkeit menschlichen Lebens auf.

In diesem Umkreis eröffnete sich für Sigmund Freud schließlich der Anstoß, jenes Tor zu öffnen, das zur großen Entdeckung des unbewussten im Menschen geführt hat.

Mit diesen kurzen Hinweisen möchte ich mich nicht nur aus ganzem Herzen bedanken für die seltene Auszeichnung, sondern auch für die besondere Verbindung mit Viktor Frankl, dessen lebenslange Frage nach dem Sinn des Lebens mit jenen Fragen zusammenfällt, die für mich seit ehe und je bestimmend mein Leben prägten - Fragen, von denen ich überzeugt bin, dass jeder Mensch eines Tages mit ihnen konfrontiert wird, nämlich: Woher komme ich? Wohin geht mein Weg? Und welchen Sinn hat mein Leben? - Zur Beantwortung dieser Lebensfragen hat Viktor Frankl mehr beigetragen, als man gemeinhin glaubt.

Dank an Frau Prof. Weinzierl, Herrn Dr. Pelinka, Frau Dr. Frankl.
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