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.. EHRENPREIS 2002
Univ.-Prof. Dr. Erika Weinzierl Laudatio anlässlich der Überreichung des Ehrenpreises des Viktor Frankl-Fonds der Stadt Wien zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie für das Jahr 2002 an Kardinal DDr. Franz König am 2. Juni 2003 im Festsaal des Wiener Rathauses |
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Erika Weinzierl, Kardinal König und die Öffnung der österreichischen Kirche zur Welt Als der St. Pöltner Weihbischof Dr. Franz König am 10. Mai 1956 im Alter von 51 Jahren zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, hatte er schon so viel geleistet, dass es für ein normales Lebenswerk als Diözesanbischof gereicht hätte. Er war Kaplan in mehreren niederösterreichischen Pfarren, Religionsprofessor in Krems, Domkurat in St.Pölten, Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Salzburg gewesen, und er war ein international anerkannter multilingualer vergleichender Religionswissenschaftler. 1958 zum Kardinal ernannt, war der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz fast drei Jahrzehnte Erzbischof von Wien und danach bis zum heutigen Tag als moralisches Gewissen der Nation das Flaggschiff der österreichischen Kirche. Die zahlreichen Reisen nach Rom und nach Deutschland nicht mitgezählt, hat er 27 Reisen in alle Erdteile außer Australien unternommen, 4 Ehrendoktorate österreichischer und ausländischer Universitäten erhalten. Dort, wo er war, wird Österreich nicht mehr mit Australien verwechselt. Rom hat die Fähigkeiten des Kardinals reichlich genutzt: 1961 besuchte er als erster Kardinal den Ökumenischen Patriarchen Atnenagoras I. von Konstantinopel in Istanbul. 1964 leitete er im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses in Bombay das große Religionsgespräch, an dem Vertreter aller Weltreligionen teilnahmen. Auf dem Rückweg von Bombay hielt sich König auf Einladung der ägyptischen Regierung einige Tage in Ägypten auf, wo er Ende März 1965, vom Rektor der berühmten islamischen Al-Azhnar-Universität in Kairo als erster katholischer Kleriker einen Vortrag über "Monotheismus in der Welt von heute" hielt. Damals hatte der Kardinal schon in Wien im November 1964 den Stiftungsfonds "Pro Oriente" als Brücke zu den Ostkirchen gegründet. Im Dezember 1965 ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende, bei dessen "Zentraler Vorbereitungskommission" und "Theologischer Kommission" der Kardinal Mitglied gewesen war. Im April 1965 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Präsidenten des neu errichteten vatikanischen Sekretariates für die Nichtglaubenden. In dieser Eigenschaft wurde er vom Papst 1968 zum Mitglied der Kongregation für die Weltmission ernannt. Im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Zeit ist es unmöglich, auf die einzelnen Besuche Kardinal Königs bei katholischen und anderen Glaubensgemeinschaften einzugehen. Der Kardinal hat aber nicht nur vor kirchlichen Foren gesprochen: 1968 referierte er an der Universität Teheran über das vorislamische Weltbild, 10 Jahre später an der Universität Helsinki über "Atheismus, Humanismus und Christentum". 1980 diskutierte er aufgrund einer offiziellen chinesischen Einladung in Peking mit Mitgliedern der dortigen Akademie der Wissenschaften. Besonderes Aufsehen erregte sein Vortrag am 1. Juli 1968 in Lindau am Bodensee bei der Tagung der Nobelpreisträger über den "Fall Galilei", der für die Überwindung des Galilei-Traumas im Verhältnis von Kirche und Naturwissenschaften Zeugnis ablegte. Nicht nur bei diesem Vortrag fallen der Respekt vor dem Auditorium und die große Sachkenntnis des Referenten auf. An der Universität Wien hat der Kardinal anlässlich des 10. Jahrestages der Judenerklärung des Konzils 1975 über ein Thema gesprochen, für das er sich Jahrzehnte lang und nicht nur bei der Konzipierung der Judenerklärung des Konzils "Nostra Aetate" engagiert hatte: Das "Ende des christlichen Antisemitismus". König konnte dabei mit Recht auf die einschlägigen Beschlüsse der Wiener Diözesansynode 1969/71 verweisen. 1975 sagte er auf dem Boden der Wiener Universität, von der viel säkularer Antisemitismus ausgegangen war: "Auf kaum einem anderen Gebiet galt es so viel Schutt und Asche wegzuräumen wie auf dem der Beziehungen zwischen Christen und Juden. Nicht nur deswegen, weil Christen und Juden 2000 Jahre erbittert miteinander im Geistigen gerungen haben, sondern auch deswegen, weil Christen, solange die Macht auf ihrer Seite stand, den Juden Böses zugefügt haben. In diesem erbitterten Ringen war, solange der Glaube noch die Gesellschaft und die geistige Welt geprägt hat, ein gemeinsamer Grund gegeben. In einem Europa des selbstgenügsamen Diesseitigglaubens, der beginnenden Säkularisierung entstand aus einem Bündel verschiedener Motive jener Wahn, der unzählige Menschen aus rassischen Gründen und um ihrer jüdischen Abstammung willen bekämpfte und vernichtete. Die Christen müssen sich traurig und beschämt eingestehen, dass nicht wenige von ihnen vom Zeitgeist irregeführt wurden und damit jenem Wahn einen Teil der Vorwände geliefert haben". Andere Übel der Menschheit sind Aggression und Krieg. Kardinal König hat zwei Weltkriege erlebt. Daher setzte er sich immer wieder für den Dialog mit dem Fremden und für den Frieden ein, mit fortschreitendem Alter immer entschiedener. In seiner kurzen Stellungnahme zum 1. Golfkrieg hat der Kardinal in der Fernsehsendung "Orientierung" im Jänner 1991 auch den "gerechten Krieg" als letztes Mittel der Konfliktlösung abgelehnt: "Es gibt nur eine Möglichkeit, eine Friedensordnung aufzubauen, Konfliktlösungen immer wieder neu zu überlegen und die Friedensgesinnung in der gesamten Jungen Generation mit allen Mitteln zu stärken und zu festigen. Wir haben keinen anderen Weg, sonst vernichten wir uns selbst". Eminenz, sehr verehrter Herr Kardinal! Walter Schaffelhofer hat Sie 1985 anlässlich Ihres 80.Geburstages einen "großen Gestalter" genannt. Sie waren und sind auch ein Leuchtturm der Menschlichkeit. Dass Sie in und für die Kirche in Österreich stehen, dafür möchte ich Ihnen von Herzen danken! |
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