Verleihung des Ehrenpreises 2004
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¦ EHRENPREIS

Dienstag, 21. Juni 2005; Festsaal des Wiener Rathauses

Überreichung des EHRENPREISES DES VIKTOR-FRANKL-FONDS der Stadt Wien zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie für das Jahr 2004 an
Bischof Erwin Kräutler


Dom Erwin Kräutler
 

Nachrichtenmeldung, 22. Juni 2005:

Der aus Vorarlberg stammende brasilianische Bischof Kräutler fordert zu Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Frieden auf. Kräutler setzt sich seit Jahrzehnten für die Menschenrechte und gegen die Ausbeutung der Umwelt in seiner Diözese in Amazonien ein. Am Dienstag wurde er mit dem Ehrenpreis des Viktor-Frankl-Fonds der Stadt Wien ausgezeichnet. Der Viktor-Frankl-Fonds wurde 1999 gegründet und vergibt jährlich einen Ehrenpreis an Personen, die zu einem Klima der Verständigung, der Toleranz und der Öffnung in Österreich beitragen.

"Verwüstung der Mitwelt"
"Unfrieden und Terror verunsichern die Welt; die Verwüstung der Mitwelt schreitet voran und soziale Ungleichheit vergrößert die Kluft zwischen Menschen und Nationen. Es ist die Stunde für uns alle, ein klares Bekenntnis für Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Frieden abzugeben", sagte Kräutler.

"Brot für die Armen"
Er forderte dazu auf, sich für die Armen und Benachteiligten einzusetzen und Solidarität walten zu lassen. "Brot für die Armen statt Waffen." 232 Euro "je Erdenbürger" seien im vergangenen Jahr für Militärausgaben aufgewendet worden. Das seien fünf Prozent mehr als 2003 und ein Anstieg von 23 Prozent innerhalb des letzten Jahrzehnts. "Ist unsere Welt dadurch friedlicher und sicherer geworden?"

Abholzung der Regenwälder
In seinem Vortrag über "Lebenswelten und Problemfelder in Amazonien" schilderte der Bischof unter anderem die brutalen Methoden, mit denen Großgrundbesitzer und Holzunternehmen Kleinbauern von ihrem Land zu vertreiben versuchen. Für den tropischen Regenwald habe es auf Grund von Abholzung und Brandrodung "fünf vor zwölf geschlagen". Ausführlich würdigte er die Ordensfrau Dorotea Stang, die in Februar dieses Jahres ermordet worden war, weil sie sich gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt in der Region engagiert hatte.

Lulas Agrarreform
"Es geht uns viel zu langsam", sagte Kräutler auf eine Publikumsfrage nach den Veränderungen seit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva. So etwa beim Problem der Landlosen. Lula hatte versprochen, bis zum Ende seines Mandats Ende 2006 durch eine Agrarreform mindestens 430.000 Bauern neu ansiedeln zu wollen. "Aber es ist viel einfacher, Leuten einen Lebensmittelkorb zu geben, als die Agrarreform durchzuführen."

Kein Schutz für Bauern
Auch seien die Bauern in seiner Region nicht geschützt worden, fügte Kräutler hinzu. Erst nach dem Mord an Dorotea Stang seien Sicherheitskräfte geschickt worden. "Begeistert" äußerte er sich hingegen von der Umweltministerin Marina Silva: Sie sei ernsthaft an nachhaltiger Entwicklung interessiert.

Mit dem Tod bedroht
Kräutler wirkt seit 1965 in Brasilien und wurde 1981 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof und Leiter der Prälatur Xingu im brasilianischen Amazonas-Gebiet ernannt. Wegen seines Einsatzes für die Unterprivilegierten wurde er mehrmals mit dem Tod bedroht und 1983 von der Militärpolizei misshandelt. 1987 überlebte er nur knapp einen inszenierten Autounfall. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Menschenrechtspreis "GlobArt-Award 2004" ausgezeichnet.

[Quelle: ORF/Religion]
 
Der Viktor Frankl Fonds der Stadt Wien zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie wurde im Jahr 1999 mit dem Ziel gegründet, die wissenschaftliche und therapeutische Arbeit Viktor Frankls zu dokumentieren und Forschungsvorhaben im Bereich der sinnorientierten humanistischen Psychotherapie zu fördern und auszuzeichnen
 
 

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