¦ ZUM ABSCHIED
Dies ist die letzte Ausgabe unseres Journals.
Als wir diese Zeitschrift 1993 gründeten, wollten wir einen Beweis führen. Wir suchten zu zeigen, daß man ein internationales Journal für Logotherapie und Existenzanalyse herausgeben kann, das nach den strikten Regeln des wissenschaftlichen Publizierens funktioniert - in dem also alle Beiträge mit methodischer Strenge ausgewählt und durch fachkundige Editoren geprüft werden.
Die besondere Schwierigkeit lag dabei in der außergewöhnlichen Vielfalt der akademischen Disziplinen, an deren Schnittpunkt die Logotherapie lokalisiert ist. Da sind zunächst die klassischen Kerngebiete Medizin/Psychotherapie, Philosophie und Psychologie; aber auch die verschiedenen helfenden Berufe - von der Gerontologie bis zur Sozialarbeit - sowie Pädagogik und Theologie gehören zum Kreis der "befreundeten" Fächer.
Trotzdem gelang es uns, namhafte Fachleute aus all diesen Gebieten zu gewinnen, die als Gutachter die Auswahl unter den eingesandten Manuskripten besorgten. Mit ihrer Hilfe - vor allem aber mit der Unterstützung durch die Autoren von insgesamt 110 veröffentlichten Aufsätzen - konnten wir unser Ziel erreichen. Der Beweis ist geführt.
Die Beiträge zu diesem letzten Heft demonstrieren noch einmal die ganze Spannweite der Themen, die für die Zeitschrift, ihre Autoren und ihre
Leser charakteristisch ist. Da gibt es theoretische Aufsätze über die Rolle des Humors im menschlichen Leben und in der Psychotherapie, experimentelle Untersuchungen über Sinnfindung in verschiedenen Kulturkreisen, praktische Vorschläge zum Umgang mit Selbstmordgefährdeten sowie zur Pädagogik für Lernbehinderte. Da werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen logotherapeutischen Konzepten und Kernbegriffen östlicher Religionen untersucht, und es werden die metaphysischen Ansätze in den Werken Frankls und Jungs miteinander verglichen.
ENDE UND ANFANG
In jüngster Zeit begann die Herausgabe der Zeitschrift die Kräfte unseres kleinen Teams zu übersteigen. Anderweitige Verpflichtungen verlangten immer mehr Aufmerksamkeit, und selbst die sachkundige und freundliche Unterstützung, die wir im vergangenen Halbjahr vom Wiener Universitätsverlag erhalten haben, brachte keine ausreichende Entlastung. So haben wir uns nun entschlossen, "es gut sein zu lassen".
Einen Teil der nun verfügbaren Arbeitskraft werden wir darauf verwenden, unsere Internet-Homepage
immer auf aktuellem Stand zu halten. Zumindest für Berichte und Ankündigungen ist "das Netz" ohnehin das bessere - weil schnellere - Medium; gelegentlich werden wir aber auch kurze wissenschaftliche Texte oder Abstracts einbinden. Übrigens haben wir seit November 1998 eine handlichere Webadresse als zuvor:
http://logotherapy.univie.ac.at
Ein Projekt, das wir mit Unterstützung durch die Gemeinde Wien oder andere Sponsoren zu verwirklichen hoffen, ist die Schaffung eines
Internet-Archivs, in dem wissenschaftlich-biographisches Material über Viktor Frankl weltweit zugänglich sein soll.
Ebenfalls über Internet bieten wir schon seit langem eine umfangreiche Literaturliste
an, in der mit Hilfe von Schlüsselwörtern nach Abhandlungen über spezielle Themen gesucht werden kann. Wir wollen dieses wichtige Service auch weiterhin anbieten und bitten Sie daher:
> Wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter und Kollegen eine Publikation abgeschlossen haben, die in die Liste aufgenommen werden sollte, dann senden Sie uns bitte das vollständige Zitat zu - am besten per E-mail.
Das Medienarchiv des VFI umfaßt eine große Zahl von Ton- und Bildaufzeichnungen von Vorträgen und Vorlesungen Viktor Frankls. Die Sicherung dieser Aufnahmen auf moderne Träger ist eine der Aufgaben unseres Teams. Eine Auswahl aus den in deutscher Sprache vorliegenden Aufnahmen wird vom Kassettenverlag "Audiotorium" vertrieben. Derzeit führen wir Gespräche mit einem amerikanischen Verlag über eine ähnliche Regelung bezüglich der englischsprachigen Aufnahmen.
Nicht zuletzt können wir uns nun wieder mehr der Betreuung der Viktor-Frankl-Gedächtnisvorlesung
widmen, einer zweimal jährlich stattfindenden Vorlesungsreihe an der Universität Wien. Das Programm der jeweils bevorstehenden Vorträge ist ebenfalls in unserer Homepage zu finden.
DANK
Nun wollen wir zu allererst unseren Autoren danken, die mit ihren profunden, originellen und spannenden Aufsätzen die Zeitschrift "gemacht" haben. Besonders verbunden sind wir den Autoren der frühesten Ausgaben, die es wagten, ihre Arbeiten einem neuen Periodikum anzuvertrauen. Sodann die Gutachter aus den verschiedenen Disziplinen: ohne ihre Hilfe und ihren Rat wäre das Experiment dieses Journals ebenfalls nicht möglich gewesen. Und schließlich danken wir noch einmal all jenen, die durch finanzielle Zuwendungen die Herausgabe der Zeitschrift unterstützt haben.
Unseren Leserinnen und Lesern danken wir für Ihr Interesse und Ihre Treue. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis für unsere Entscheidung. Wir hoffen, daß Sie das Journal ein wenig vermissen werden - wir hoffen aber ebenso, daß Sie in diesem Fall den Kontakt mit uns nicht ganz aufgeben werden.
Mit kollegialen Grüßen
und allen guten Wünschen,
Franz Vesely
|